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Ergänzungen von Dr. Klaus Friedrich, Bundesfeuerwehrarzt

Da sich die Situation in Deutschland, in Thüringen, täglich verändert, veröffentlichen wir hier an dieser Stelle die jeweils neuen Informationen, Empfehlungen und Hinweise unseres Bundesfeuerwehrarztes Dr. Klaus Friedrich. Diese sollen sowohl der Einschätzung als auch der Orientierung dienen.

Der Feuerwehrarzt über das Coronavierus - Ergänzung III / 18. März 2020

„Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation“ … „Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt.“
Robert-Koch-Institut, 18.03.2020

Dies macht eindeutig notwendig,  die Sozialkontakte deutlich zu reduzieren, hierdurch kam es neben dem Schließen von Schulen, auch die Unterbindung von Veranstaltungen.

Dieser Strategie schließen sich die Feuerwehren umfänglich an, daher haben auch wir Maßnahmen eingeleitet, die sozialen Kontaktpunkte zu
reduzieren, durch Aussetzung oder Verschiebung von nicht existentiellen Veranstaltungen (Vereinssitzungen, aufschiebbare Besprechungen, Übungen, Lehrveranstaltungen, etc.). Dies tun wir um die Einsatzbereitschaft ohne (zeitliche) Limitierungen aufrecht zu erhalten!

Nun muss uns bewusst sein, dass es sich hier um eine dynamische Zeitlage handelt. In einigen Bundesländern wird über die Ausrufung des K-Falles diskutiert oder wurde bereits erklärt.
Der K-Fall bedeutet grundsätzlich für uns, dass wir diese Lage einsatzmäßig und professionell bewältigen werden und müssen. „Die eintretenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Verbreitung des Corona-Virus fordern auch die Feuerwehren heraus – vor allem im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Einsatzfähigkeit, aber auch zum sonstigen Schutz der Menschen in unserem Land“, informiert Hermann Schreck,Vizepräsident … „Die Verantwortlichen sind gemeinsam mit allen Aktiven gefragt, der jeweiligen Situation und Lage gerechte Lösungen zu schaffen, sich eng miteinander abzustimmen, um Ausfälle ausgleichen zu können und immer auf dem aktuellen Stand der Entwicklung zu bleiben …“

Ergänzend zu den Ausgaben (siehe „Der Feuerwehrarzt über Coronavirus 0, I und II) ergehen nun weitere Empfehlungen, bzw. werden bereits
ausgesprochene Empfehlungen verstärkt.

Ergänzung III  im Konkreten und als Dowload


 Es wird empfohlen sämtliche (!) freiwillige Leistungen der Feuerwehren zu reduzieren, besser einzustellen. Die Begründung hierfür ist ein
differenziertes Crew-Resource-Management. Dies dient der Kompensation der Krankheitsausfälle in eigenen Reihen. Grundsätzlich sind wir an einen gesetzlichen Auftrag gebunden.

 Hierunter fällt auch die freiwillige Leistung „First-Responder-Dienst“ der Feuerwehren. Die Sinnhaftigkeit dieses Dienstes wird in keiner Weise in Abrede gestellt, allerdings ergibt sich aus diesem Dienst ein erhöhtes Infektionsrisiko für die Gesamtmannschaft durch Rückverschleppung von Krankheitserregern. Dies ist unter dem Aspekt einer Pandemie ein hohes Risiko für die Einsatzbereitschaft der gesamten Feuerwehr.
Natürlich soll zum frühesten Zeitpunkt dieser Dienst wieder aufgenommen werden.
 Führungskräfte sollten auf die Möglichkeiten einer Infektion mit oder einer Inkorporation von Krankheitserreger achten, d.h. an der Einsatzstelle, insbesondere mit ungewaschenen Händen, kein Essen, kein Trinken, kein Rauchen, kein Berühren des Mundbereiches!
 Das Einsatzpersonal sollte minimalisiert werden. Nach einer Alarmierung gilt es zu bedenken,  in Wertung der zu erwartenden Lage und des Auftrages, wieviel Einsatzkräfte werden tatsächlich benötigt werden, frühzeitiges Aufheben einer Einsatzbereitschaft in einem Gerätehaus.
 Frühzeitige Personalreserven bilden, um einem längeren Einsatz gewappnet zu sein. Hierzu sind ggf. die Einführung von Dienstschichten, von Schichtplänen oder eine Änderung der Dienstpläne im hauptamtlichen Personal denkbar.
 Feuerwehrdienstleistende sollten grundsätzlich bei einem dienstlichen Außenkontakt (im Einsatz) Mundschutz (mind. FFP 2) tragen.
 Die Logistik zu erwartenden Verbrauchsartikel und Einsatzmittel ist stets zu beobachten.  

Als oberstes Ziel gilt die Einsatzbereitschaft!

Folgende Empfehlungen gelten für Einsätze der Feuerwehren:

 Folgende Personen sollten nicht an Einsätzen derzeit teilnehmen:
 Personen mit Husten, Kratzen im Hals, Infektionszeichen, Fieber

 Personen mit Kontakt mit einem gesichertem COVID-19 Fall (in den letzten 14 Tagen)
 Personen mit Aufenthalt in einem Risikogebiet ( in den letzten 14 Tagen)
 Verwendung von Infektionsschutzhandschuhen
 Ggf. Verwendung von Atemschutzmasken FFP 2 (oder höhere Qualität)
 Tragen der Schutzkleidung vollständig und geschlossen
 Nach dem Einsatz Hände desinfizieren und waschen
 Ggf. Flächendesinfektion der Gerätschaften und ggf der Mannschaftskabine, insbesondere nach Kontakt mit einem Verdachtsfall
 Frühzeitiger Kleidungswechsel (Schwarz-Weiß-Trennung, korrektes Ablegen der Schutzkleidung)

 Korrekte und regelmäßige Reinigung der Schutzkleidung

Als Risikogebiet sind derzeit Italien,Iran, in China die Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan), in Südkorea die Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang), in Frankreich die Region Grand Est (diese Region enthält Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne), in Österreich das
Bundesland Tirol, in Spanien Madrid und in USA die Bundesstaaten Kalifornien, Washington und New York ausgewiesen.
Unser Bundesgesundheitsminister empfiehlt Rückkehrern aus einem Risikogebiet dem Dienst zunächst (für 14 Tage)  fern zu bleiben.

Folgende Empfehlungen gelten für die Leitung von Feuerwehren:

 Regelmäßige (tägliche) Informationsbeschaffung (z.B. www.rki.de)
 Gefährdungsbeurteilung gemäß UVV 49 § 4, Biostoffverordnung § 7
 Erwirken einer medizinischen Beratung (UVV 49 § 6)
 Bereitstellung ausreichender Schutzausstattung (UVV 49 § 3)
 Bereitstellung ausreichender Menge Desinfektionsmittel (Personen- und Fahrzeugausstattung) (UVV 49 § 3)
 Information der Einsatzkräfte über Prozeduren (incl. Absonderung)
 Beschulung der Einsatzkräfte in der Verwendung weiterer Schutzausstattung, wie z.B. FFP 2 Masken
 Klare Trennung Einsatz- und Privatkleidung
 Tägliche Beurteilung und Ermittlung der Einsatzbereitschaft (eigene Erkrankungsfälle)
 Ggf. Anpassung der Alarmierungsketten
 Sicherstellen von Reinigung, Desinfektion und Hygiene (begrenzte viruzide Wirkung gemäß rki-Listung)
 Kontaktdokumentation gemäß § 7 Biostoffverordnung

Auch die Aufbereitung von Einsatzmitteln sollte dem Ziel der Hygiene folgen. Dies gilt z.B. für die Aufbereitung der Atemschutzmasken oder Gerätschaften, die kontaminiert sein könnten. Hierbei sollte ein Mundschutz (mind. FFP 2), eine Schutzbrille, Infektionsschutzhandschuhe und mind. eine Einwegschürze verwendet werden. Vor der Reinigung ist die Desinfektion der Einsatzmittel (z.B. Atemschutzmaske)  mit einem zugelassenen Desinfektionsmittel zu empfehlen.

Für Rückfragen stehen Ihre Feuerwehrärzte zur Verfügung.

Stand 18.03.2020 20:12 - Klaus Friedrich, Medizinaldirektor

 

 

 

 

Ergänzungen von Dr. Klaus Friedrich, Bundesfeuerwehrarzt

Der Feuerwehrarzt über das Coronavierus - Ergänzung II / 14. März 2020

Die Ausbreitung des Coronavirus nimmt derzeit, wie erwartet,  einen pandemischen und damit expontiellen Verlauf.

„Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation“ … „Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als mäßig eingeschätzt.“ (RKI, 13.03.2020)

Trotzdem hat man sich in Deutschland entschlossen, die Sozialkontakte deutlich zu reduzieren, hierdurch kam es neben dem Schließen von Schulen, auch die Unterbindung von Veranstaltungen.

Dies entspricht den Empfehlungen der WHO, die ihre Strategie in 3 Punkten sieht:

A: Verhinderung der Ausbreitung durch Fallfindung mit Absonderung von Erkrankten und engen Kontaktpersonen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko

 B: Soziale Distanz schaffen / bevölkerungsbezogene anti-epidemische Maßnahmen

 C: Gezielter Schutz und Unterstützung vulnerabler Gruppen“

Dieser Strategie schließen sich die Feuerwehren umfänglich an. Ddaher haben auch wir Maßnahmen eingeleitet, die sozialen Kontaktpunkte zu reduzieren, durch Aussetzung oder Verschiebung von nicht existentiellen Veranstaltungen (Vereinssitzungen, aufschiebbare Besprechungen, Übungen, Lehrveranstaltungen, etc.).

Dies tun wir, um die Einsatzbereitschaft ohne (zeitliche) Limitierungen aufrecht zu erhalten!

 

 

Der Feuerwehrarzt über das "Coronavirus"

Eine Ergänzung (I) von Dr. Klaus Friedrich, Bundesfeuerwehrarzt

Medizinaldirektor Klaus Friedrich,  Stand 10. März 2020

Die Ausbreitung des Coronavirus nimmt derzeit, wie erwartet, einen pandemischen und damit expontiellen Verlauf.  „Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation“ (RKI, 09.03.2020) „Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als mäßig eingeschätzt.“ (RKI, 09.03.2020)

„Die massiven Anstrengungen … verfolgen weiterhin das Ziel, die Infektionen in Deutschland so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verzögern. Sie sollten durch gesamtgesellschaftliche Anstrengungen wie die Reduzierung von sozialen Kontakten mit dem Ziel der Vermeidung von Infektionen im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich sowie eine Reduzierung der Reisetätigkeit ergänzt werden. Dadurch soll die Zahl der gleichzeitig Erkrankten so gering wie möglich gehalten und Zeit gewonnen werden, …“ (RKI 09.03.2020)  

Es gilt daher in allen Bereichen den Spagat, einerseits Risikominimierung, aber gleichzeitig die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens zu bewerkstelligen. Der Gemeinsame Krisenstab von BMI und BMG,  bestätigt durch den Gesundheitsminister Jens Spahn, hat heute (09.03.2020 d. R.) folgendes beschlossen:

„Der Krisenstab empfiehlt die Absage aller öffentlichen und privaten Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 erwarteten Teilnehmern.“ „Als eines der ersten Bundesländer hat Bayern beschlossen, Veranstaltungen
mit mehr als 1.000 Besuchern zu untersagen, um eine weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. … Die Sicherheit stehe an oberster Stelle. Bayern (das gleiche gilt auch für Thüringen - d. R.) habe sich daher bewusst entschieden, den Maßnahmen und Empfehlungen des Bundes zu folgen … Bei Veranstaltungen mit weniger als 500 Besuchern solle jeder für sich persönlich entscheiden, ob diese notwendig sei.“

Derzeit gibt es daher keine fachlichen Empfehlungen Veranstaltungen der Feuerwehren, wie Unterrichte, Übungen, Jahreshauptversammlungen, Besprechungen, Lehrtätigkeiten an den Ausbildungsstätten, etc. generell abzusagen. Hier ist eher die Analogie zu den Schulen gegeben. „Eine generelle Schließung der Schulen … hält die Staatsregierung … bisher nicht für notwendig. Eine …Schließung sei intensiv diskutiert worden, wäre nach Einschätzung der Experten gegenwärtig aber unverhältnismäßig.“

Wenngleich es keinen Grund zur Panik gibt, sollten sich die Feuerwehrenvorbereiten und klug verhalten.

Empfehlungen zu Veranstaltungen und die Empfehlungen für Einsätze der Feuerwehren des Bundesfeuerwehrarztes hier und im nebenstehenden Kasten. Für alle drei Empfehlungen gilt, dass bei Fragen die Feuerwehrärzte konsultiert werden sollten.

Empfehlung Veranstaltungen

Hier die Empfehlungen des Bundesfeuerwehrarztes für Veranstaltung. Als oberstes Ziel gilt der "Erhalt der Einsatzbereitschaft".

Empfehlungen für Veranstaltungen

Empfehlung Einsätze

Hier die Empfehlungen des Bundesfeuerwehrarztes Medizinaldirektor Klaus Friedrich für Veranstaltung. Als oberstes Ziel gilt der "Erhalt der Einsatzbereitschaft".

Empfehlungen für Einsätze

Empfehlungen für Einsätze aktualisiert- 18.03.2020

Empfehlung Leitung der Feuerwehren

Hier die Empfehlungen des Bundesfeuerwehrarztes Medizinaldirektor Klaus Friedrich für Veranstaltung. Als oberstes Ziel gilt der "Erhalt der Einsatzbereitschaft".

Empfehlungen für die Leitung

Empfehlung für die Leitung - aktualisiert 18.03.2020

Weitere Hinweise und Empfehlungen zum Thema

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen hinsichtlich des Coraonavierus SARS-CoV-2 geben wir hier Informationen, Hinweise und Handlungsempfehlungen für die Einsatzkräfte der Thüringer Feuerwehr im nicht-medizinischen Bereich. Alles wichtige gibt es als Übersicht und Dowload.

Im Besonderen stellen wir hier verschiedene Informationen wie die "Bewertungen von Großveranstaltungen", "Hinweise Krankschreibung", "Rechtsfragen" usw. sowie eine Grafik "Maßnahmen im Verdachtsfall" zur Verfügung.

Außerdem werden wir an dieser Stelle auch über die aktuelle Situation in Thüringen informieren und die Lage täglich neu bewerten.

Hier haben wir die Übersicht noch einmal über die Downloads:

Alle Informationen stehen auch in den Stadt- und Kreisverbänden zur Verfügung.

Da sich die Lage täglich ändert, aktualisieren wir hier auch die Informationen, welche tagesaktuell vom Bundesfeuerwehrarzt Dr. Klaus Friedrich weitergeleitet werden. Diese sollen im Besonderen auch der Einschätzung der Lage vor Ort dienen, da man sich an den Empfehlungen orientieren kann. Als Dowload haben wir hier folgende zusätzliche Informationen zusammengestellt:

Hygienemaßnahmen für Einsatzkräfte

Maßnahmen im Verdachtsfall (Infografik)

Risiko Großveranstaltungnen

Risikobewertung von Veranstaltungen

Aktueller Stand Thüringen

Informationen zum Aktuellen Stand in Thüringen geben wir hier mit der Verlinkung zum Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Die Angaben werden hier entsprechend aktualisiert.

Der Thüringer Feuerwehrverband informiert ebenfalls aktuell, sobald sich neue Entscheidungen ergeben.